Margarit von Büren: Interludium
Margarit von Büren schreibt über die Performance von Jürgen Fritz, ein Interludium: Black Market International anlässlich des Festivals für Aktionskunst BONE 18 am Samstag 5.12.2015 im Schlachthaus Theater Bern.
Jürgen Fritz steht da – schwarze Frackhose und schwarzer Kittel, darunter weisses T-Shirt (oder war es ein Unterhemd?), eine Petflasche Mineralwasser im Arm. Er steht da, im Kellerraum des Schlachthaus Theaters und wartet bis sich das Publikum hingesetzt hat. Er stellt die Flasche in den hinteren Teil des Raums und kommt in den Kellerraum zurück. Er schnäuzt sich die Nase und nimmt eine Stimmpfeife aus der Kitteltasche. Mit geschlossenen Augen setzt er sie in den Mund und beginnt durch die Pfeife ein- und auszuatmen. Mit dem Atem entstehen verzerrte Töne – es sind dies E – A – D – G – H – E der Standardstimme für Gitarre. Sie sind länger oder kürzer, höher oder tiefer. Der Performer atmet kräftiger ein und aus, die Töne werden lauter, es entstehen Abfolgen, die sich zu vermischen beginnen und zu Klängen werden. Mit dem heftiger werdenden Ein- und Ausatmen bewegt Jürgen Fritz den Körper zusehends stärker nach links, nach rechts, nach vorne und nach hinten und bleibt dabei mit den Füssen fest am gleichen Ort verankert. Seine körperliche Anstrengung überträgt sich auf das Publikum, die Intensität nimmt zu. Er bewegt die Hände, die Bewegungen erfassen den ganzen Körper und die Töne werden lauter und lauter. Bis zum Moment an dem die Grenze seiner körperlichen Expressivität erreicht ist. Der Performer atmet langsamer, die Töne werden leiser, die Bewegungen ruhiger, bis zum Moment der Stille und des Stillhaltens. Der Performer öffnet die Augen, nimmt die Stimmpfeife aus dem Mund, verneigt sich und geht.
→ siehe auch Texte von Judith Huber, Pascale Grau und Dorothea Rust über dieselbe Performance