Tabea Lurk: In der Zwischenzeit… Zur Überlieferung von Performance Kunst zwischen archivischer Erinnerung(-sarbeit) und künstlerischer Praxis am Beispiel des Re-Performance-Projekts «ARCHIVES & BEYOND» von Pascale Grau und Dorothee Daphi
Tabea Lurk schreibt im Auftrag der Projektinitiantinnen zum Re-Performance-Projekt «Archives & Beyond» im Museum Tinguely (22./23.8.2025) und im Kasko Basel (28.-31.8.2025).
Was befindet sich jenseits des Archivs? Wie verhält man sich gegenüber einer Vergangenheit, die nie die eigene war? Wie imaginiert man eine Ära oder einen historischen Moment, der so kurze Zeit zurückliegt, dass man es knapp verpasst haben könnte? Was bedeutet (Re-)Aktivierung, wenn die Gegenwart im Vergleich zur Ausgangslage historisch, soziokulturell und geographisch eine etwas andere ist? Wie geht man als Beteiligte mit Erinnerungen um, die so präsent sind, dass sie auch 30 Jahre später noch aktuell wirken? Klar, im Theater und der Musik gibt es das Motiv der Interpretation, das zwischen dem Stoff und seiner Aktualisierung vermittelt. Aber was passiert, wenn Werke der Performancekunst, die nach wie vor oft ein individualisiertes Autorinnenkonzept implizieren und an spezifische Künstler*innen gebunden scheint, auf andere übertragen werden?
Wie kann vermieden werden, dass die Aufführenden auf ihre Körper reduziert oder das Performative zur Rolle, zur leeren Wiederholung festgezurrter Gesten, Verhaltensformen oder Handlungsroutinen verkommt? Wie situieren sich Materialien, Relikte und Dokumente gegenüber dem Körperlichen, gegenüber Bewegungen und Körperformationen, gegenüber Klängen, Gerüchen und/oder Emotionen? Wie viel Freiheit ist möglich, wenn dem anzueignenden Erinnerungsmodus eine Richtung oder ein Ziel vorgegeben sind? Vermag das Archiv, um eine These von Franz Anton Cramer aufzugreifen, ebenso viel wie der Körper?
Diese und weitere Fragen hat das Projekt ARCHIVES & BEYOND (2025) von Pascale Grau und Dorothee Daphi sowohl nominell als auch inhaltlich aufgeworfen.
d zum ausführlichen Text mit Fotos und «Beiwerk»